Einmal sehen ist besser als tausend Mal hören, sagt ein chinesisches Sprichwort. Dem würde Christine Münzenmaier vermutlich zustimmen – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Und diese Voraussetzungen erläutert die Autorin in diesem Praxisbuch in drei Teilen.

Irgendetwas zu visualisieren, ohne genau zu prüfen, was denn meine Kernbotschaft sein soll, macht aus ihrer Erfahrung keinen Sinn. Denn dabei ist die Gefahr viel zu groß, dass solche Visualisierungen/Bilder nicht stimmen bzw. auch nicht so verstanden werden wie sie gemeint sind, da jeder seine eigene Interpretation hat. Eine Visualisierung, die auf Dauer ihre Wirkung entfalten soll – also eine strategisch wichtige Aussage hat - sollte von allen Beteiligten in ihrer Botschaft auch gleich richtig verstanden werden. Und das ist ein nicht einfacher Prozess, der Zeit und viel Sorgfalt benötigt.

Christine Münzenmaier erläutert sehr praxisnah wie und in welchen Schritten eine Führungskraft bzw. ein Team sich dem Ziel, eine wirklich relevante Botschaft/Veränderung zu verbildlichen nähern kann. Dabei ist Kommunikation ein wichtiger Schlüssel, genauso wie die innere Haltung, die Offenheit für andere Sichtweisen und damit auch für Veränderung an schon Erarbeitetem beinhaltet. Ein Zeichentalent muss man als Führungskraft dafür nicht sein, denn das können Mitarbeiter auch übernehmen, grobes skizzieren reicht für einen Start völlig aus.

Sehr interessant fand ich, dass Münzenmaier die analoge Vorgehensweise an vielen Stellen im Prozess bevorzugt. Die Nutzung von Papier und Bleistift fördert ihrer Meinung nach die Kreativität viel besser, da man sich so nicht viel zu früh in Details verrennt. Dafür ist ganz am Ende noch Zeit. Im Fokus stehen Kernaussage, Bildüberschrift und Metapher, die Schritt für Schritt erarbeitet und am Ende in einem Öko-Check auf mögliche Fallen überprüft werden.

Für viele Führungskräfte gehört es in Besprechungen schon lange dazu per Flipchart Themen und Vorgehensweisen zu verdeutlichen und kleine Zeichnungen und Skizzen anzufertigen. Das, was die Autorin hier beschreibt, begleitet mit der Visualisierung aber einen viel komplexeren und bedeutsameren Inhalt, oft eine Veränderung. Ihre Praxisbeispiele geben dem Leser an vielen Stellen gute Orientierung was gemeint ist und wo es missverständlich enden könnte. Dennoch halte ich den gesamten Prozess für sehr herausfordernd für eine Führungskraft (und auch die Mitarbeiter) – zumindest solange, bis sie einiges an Erfahrung bei Prozess und Visualisierung gewonnen haben.

Den Entwicklungsprozess hat Christine Münzenmaier sehr gut nachvollziehbar, gut strukturiert und leicht lesbar beschrieben. Die gute Anleitung wäre für mich noch hilfreicher gewesen, wenn neben den vorhandenen Beispielen, ein Beispiel sich wie ein roter Faden durch alle Teile/Schritte gezogen hätte und am Ende das erarbeitete Ergebnis zu sehen wäre.

Da viele Menschen sehr visuell sind, ist es für Führungskräfte von Vorteil Visualisierungen – auch in kleineren Angelegenheiten – häufiger zu nutzen. Schließlich macht Übung den Meister… Visuelles Denken und Bildsprache an und für sich sollten verinnerlicht und ständiger Begleiter werden. Das geht nicht von heute auf morgen, es braucht Zeit und ist ein Prozess.

Nichts ist für die Ewigkeit, auch keine perfekte Visualisierung. Rahmenbedingungen, Aufgaben, Teams verändern sich. Und deshalb ermuntert Münzenmaier auch die Führungskräfte das geschaffene Bild bei Bedarf zu prüfen und wenn nötig zu erweitern und zu verändern. Oder ein neues Bild zu schaffen.

Christine Münzenmaier lässt die Leser an ihrem großen Erfahrungsschatz teilhaben. Sie spart nicht mit hilfreichen Tipps und Hinweisen und gibt mit ihrem Buch eine sehr gute Anleitung für eine lebendige und zielgenaue Visualisierung im Führungsalltag.

Das Buch kaufen: Das systemische Mitarbeitergespräch

Autorin: Christine nini Münzenmaier managerSeminare

Produktbild: Strategisch visualisieren für Führungskräfte